Dokumentarfilm über das UK-Theaterprojekt: „Theater – barrierefrei mitten ins Herz“

08.04.2019

WEINGARTEN – Am 13. März feierte der Dokumentarfilm „Theater – barrierefrei mitten ins Herz“ der Ravensburger Filmemacherin im Kulturzentrum Linse Premiere. Vor ausverkauftem Haus „begleiteten“ die Zuschauer die UK-Theatergruppe der Stiftung KBZO auf ihrem Weg zu den Schultheatertagen der Länder in Potsdam. 


Wie selbstverständlich benutzen wir im Alltag unsere Stimme, um uns mitzuteilen. Durchschnittlich sind das 16.000 Worte täglich. Was, wenn man nicht verbal mitteilen kann und körperlich eingeschränkt ist? Die Jugendlichen Hannes Baumeister. Silvan Buck, Lukas Engele, Max Kemmler und Felix Pascher spielen leidenschaftlich und äußerst erfolgreich seit 2014 Theater. Das Sprechen übernehmen hierbei Sprachcomputer, so genannte Talker. Die Emotionen transportieren die jungen Erwachsenen durch ihr schauspielerisches Talent – mit Humor und Tiefgang – im Stück Rollin‘ Love mühelos. Deshalb wurden sie auch nach einer Aufführung in Friedrichshafen mit Lob und Anerkennung überschüttet und darüber hinaus eingeladen, an den Schultheatertagen der Länder teilzunehmen und ihre Schule, die Stiftung KBZO und ihr Land Baden-Württemberg beim Wettbewerb zu vertreten.

 

„Eine Herzensangelegenheit“


Barbara Brugger kannte die Truppe um Thorsten Mühl und Alex Niess bereits und entschloss sich spontan, die einwöchige Reise nach Brandenburg mit der Kamera zu begleiten. „Es war klar, dass ich mit ‚meiner Gang‘ nach Potsdam fahre und filme“, so die Filmemacherin. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Aus diesem Material entstand ein circa 70-minutiger Dokumentarfilm: „Theater – barrierefrei mitten ins Herz“. Mit ihrem Werk gewährt Brugger einerseits feinfühlige, private Einblicke in das Leben der Schauspieler und zeigt die Herausforderungen des Älterwerdens mit Handicap. Andererseits transportiert der Film eindrucksvoll den Spaß, den die Truppe in dieser Woche hatte, und dass das Sprechen – pardon, das Talken – auch Mittel zum Zweck sein kann.


Deshalb verwundert es kaum, dass es von den Kinobesuchern nach der Premiere Ovationen und minutenlangen Applaus gab. Brugger war sichtlich gerührt. Nach der Vorführung hatten die Zuschauer die Gelegenheit, Regisseurin, SchauspielerInnen, Eltern und Bufdis persönlich kennenzulernen und Fragen zu stellen.


„Botschafter der Inklusion“


Jürgen Mack vom Landesverband der Schultheater Baden-Württemberg fasste die Stimmung des Abends sehr treffend zusammen: „Der Funke sprang über und es wundert mich nicht, dass ich auch heute noch – fast ein Jahr später – auf die Gruppe aus Weingarten angesprochen werde.“


Die Partnergruppe der Baden-Württemberger waren die Saarländer, eine gymnasiale Oberstufe. Nachdem Sie unsere Jungs kennengelernt hatten, war es ihnen sehr wichtig, mehr über Behinderungen, Inklusion und das Leben mit Behinderung zu erfahren. Sie setzten sich intensiv mit dieser Thematik auseinander.


Auch die vielen positiven Rückmeldungen auf dem meterlangen Grußbanner, das für die UK-Gruppe in Potsdam angefertigt wurde, zeigen, dass die fünf Protagonisten in den Köpfen sehr vieler junger Menschen etwas verändert haben. „Sie sind zu Botschaftern der Inklusion geworden“, wusste ein sichtlich sehr bewegter Thorsten Mühl zu berichten.


Weiter geht es dann am Dienstag, 28. Mai 2019, im Theater Ravensburg mit dem lang erwarteten Stück „Roller im Roggen“. Das Publikum und die Fans dürfen gespannt sein auf die neuen Abenteuer der Clique.

Autoren: Thorsten Mühl/Bertram Dick